| Die Entstehung Oberdiendorfs dürfte in der 2. Hälfte des
10. Jahrhunderts zu suchen sein. Urkundlich wird der Ort bereits im Jahre
1135 Tiemindorf (Siedlung des Tiemo), 1235 Tyemdorf und 1760 Diendorf
genannt. Seit 1893 heißt das Dorf Oberdiendorf. Auch die später zur
gleichnamigen Gemeinde gehörenden Ortschaften Perling (Siedlung des
Peonald), Redling (Ruodilo) und Niederkümmering (Chuniperth) werden schon
1253 in den Urkunden der Herrschaft Leoprechting erwähnt. Im Jahre 1163
schenkte Bischof Konrad I. dem Leprosenhaus in Passau die Pfarrei Kellberg,
zu der damals auch Oberdiendorf gehörte. Ihre Abgaben hatten die Bauern
zum großen Zehentstadel in Thyrnau zu bringen.
Die schrecklichsten Jahre erlebte Oberdiendorf am Ende des
Dreißigjährigen Krieges. Damals wütete in unserem Gebiet die Pest.
Sicher bewohnt waren noch der Schmidbauernhof (Fürst) und das Peschlhaus
(Anetzberger "Hiasl Hans"). Eine Pestsäule an der
Einmündung der Gemeindestraße in die Staatsstraße erinnert noch heute
an diese furchtbare Zeit.
Bei der verwaltungsmäßigen Gebietsreform wurde die Gemeinde
Oberdiendorf 1839 vom Landgericht Wegscheid ( später Landkreis Wegscheid)
getrennt und dem Landkreis Passau I zugeteilt. Bis 1851 wurde Oberdiendorf
von Thyrnau mitverwaltet. Ab 1851 übernahm der 1. Bürgermeister (Josef
Ertl aus Niederkümmering) mit zwei Vertretern die Gemeindegeschäfte.
Aber erst Jahrzehnte später konnte von einer eigentlichen
"Selbstverwaltung" mit einem Gemeinderat und einem
Bürgermeister an der Spitze gesprochen werden.
Oberdiendorf gehörte ursprünglich zur Pfarrei Kellberg, ab 1785 zur
Pfarrei Thyrnau. 1827 erhielt Oberdiendorf eine erste Kapelle neben dem
Gasthaus Amsl (jetzt Gasthaus zum Stern). Die "Schulkapelle"
zwischen Oberdiendorf und Redling wurde am 18. Mai 1935 eingeweiht. Aber
auch sie genügte bald nicht mehr, da die Bevölkerungszahl weiter wuchs
und ein regelmäßiger Sonntagsgottesdienst eingeführt worden war. So
wurde in den Jahren 1964/65 in Oberdiendorfs erstem Baugebiet die heutige
Kirche "St. Simon" erbaut. Die Bevölkerung war zu enormen
Opfern bereit und hegte insgeheim die Hoffnung, eines Tages den Status
einer selbständigen Pfarrei zu erlangen. Doch dies blieb infolge des
großen Priestermangels bis heute verwehrt. Ab 1973 wurde Oberdiendorf als
Filiale von der Pfarrei Hauzenberg betreut und 1975 diesen eingegliedert.
1910/11 wurde in Oberdiendorf eine Schule gebaut. Der erste Lehrer
hieß Alfons Rothdauscher. Das Schulhaus wurde später mehrmals umgebaut
und vergrößert und beherbergte bis 1959 auch die
"Volksfortbildungsschule" (landwirtschaftliche Berufschule). Der
größte Schülerstand wurde nach dem 2. Weltkrieg 1946 mit 169 Schülern
erreicht. Erst als ein Teil der Flüchtlinge nach und nach in größeren
Städten einen Arbeitsplatz fand, sank die Schülerzahl wieder. 1959 wurde
ein Lehrerwohnhaus mit drei Dienstwohnungen gebaut, 1961 - 64 ein
Sportplatz geschaffen. Die Neuorganisation des Volksschulwesen führte
1966 zum Schulverband mit der Gemeinde Raßberg (erster Einsatz eines
Schulbusses), 1975 um den Bereich Windpassing erweitert. Nach und nach
wurden alle Jahrgänge der Hauptschule in Hauzenberg eingeliedert. Seit
1976 sind im ehemaligen Schulhaus von Oberdiendorf der Kindergarten, die
Musikschule und der Altenclub untergebracht. Die Grundschüler werden
seitdem in Haag und Wolkar unterrichtet.
Verkehrsmäßig war das Gebiet um Oberdiendorf lange Zeit wenig
erschlossen. Bis 1838 führte die Straße von Hauzenberg nach Passau noch
über Salzweg. Im Jahre 1880 wurde die Distriktstraße von Hundsdorf nach
Lieblmühle und 1883/84 von Lieblmühle am Tiessenbach aufwärts unter
Umgehung von Oberdiendorf über Wotzdorf nach Hauzenberg gebaut. Erst 1954
wurde das letzte Teilstück geteert. Von 1949 bis 1959 wurden auch die
Ortsverbindungsstraßen innerhalb der Gemeinde ausgebaut und geteert,
freilich nur mit einer geringen Fahrbahnbreite. Die Bauern wurden zu Hand-
und Spanndiensten herangezogen. Einen besonderen Fortschritt stellte der
Ausbau der Ortsdurchfahrt von Oberdiendorf 1967/68 mit gleichzeitigem
Einbau einer Kanalisation und der beiderseitigen besseren Anbindung an die
Staatsstraße Passau-Hauzenberg dar, da nun auch alle Linien- und
Schichtarbeiterbusse den Ort anfahren konnten. 1969 nahm Oberdiendorf am
Bundeswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" teil. Es
wurde Landkreis- und Bezirkssieger und erhielt auf Landesebene eine Gold-
und auf Bundesebene eine Silbermedaille.
Oberdiendorf wird auch von der Bahnlinie Passau-Hauzenberg berührt. Am
15. November 1904 fand die Einweihung dieser Strecke statt. Für den
Stockbauerbruch war ein Privatgleisanschluß vorgesehen. Gebaut wurde aber
nur eine Seilförderbahn vom Bahnhof Oberdiendorf aus. Ab1955 wurde die
Strecke überwiegend mit Dieseltriebwagen befahren und 1970 die
Personalbeförderung völlig eingestellt (Felssturz). 1919 kam nach
Oberdiendorf das elektrische Licht. Seit 1932 gibt es einen öffentlichen
Fersprechanschluß. Eine eigene Poststelle bestand von 1957 bis 1981.
Oberdiendorf war viele Jahrhunderte eine rein bäuerliche Siedlung. 1900
hatte der Gemeindebereich 302 Einwohner, 1939 bereits 453 und 1978 waren
es 884 Einwohner.
Imzuge der Gebietsreform verlor Oberdiendorf wie viele andere kleine
Gemeinden ihre Selbständigkeit. Zunächst wurde ein Anschluß an Thyrnau
in Erwägung gezogen. Mit einer Mehrheit von 70% der Stimmen entschied
sich die Bevölkerung in einer schriftlichen Abstimmung jedoch für einen
Anschluß an den Markt Hauzenberg. Dieser wurde am 1. Juli 1972 vollzogen.
Oberdiendorf stellt mit Josef Greschniok, einem Heimatvertriebenen aus
Schlesien, den 1. Bürgermeister der neu gebildeten und nun wesentlich
größeren Marktgemeinde (seit 1978 "Stadt") Hauzenberg. Josef
Greschniok war 1959 als Hauptlehrer nach Oberdiendorf gekommen und war von
1966 bis 1972 zugleich (ehrenamtlicher) Bürgermeister. Für seine großen
Verdienste um die Stadt Hauzenberg wurde im kurz vor seinem Tod 1988 die
Ehrenbürgerwürde verliehen. Dem Vereinsleben kommt nach dem Verlust der
politischen Selbständigkeit besondere Bedeutung zu. |